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Mai
18

Istanbul – Orient trifft Okzident

Kaum zu glauben, aber doch wahr: Europa hat uns wieder!! Alles lief gut, um 3 Uhr nachts ging es los durch die leeren Straßen Delhi’s (bis auf eine Affenhorde) zum Flughafen. 6 Stunden Flug lagen vor uns und die Zeit verging recht schnell – mit ein wenig schlafen und Filmen schauen…Als wir zur Landung ansetzten, bat uns eine Inderin, ein Foto von uns machen zu dürfen – sooo ist gut. Quasi zum Abschied von Indien nochmals unsere „Gewohnheit“ erleben…

Der Ausstieg aus dem Flieger bereitete uns einen kleinen Schock: regnerisch bei 16 Grad. Wow! Das hatten wir wirklich lange nicht mehr und fingen schnell an zu frieren!! Auch die Fahrt vom Flughafen in die Stadt bot uns ein volles Kontrastprogramm zu den vergangenen Wochen: erstmal endlich wieder Rechtsverkehr. Kein Hupen auf den Straßen. Jeder fuhr in seiner Spur. Keine umherlaufenden Tiere auf den Straßen. Keine Menschen und Straßenhändler an den Seiten, die bettelten oder ihre Ware anpriesen. Und kein Müll! Wahnsinn. Dies alles erschien uns so intensiv. Es ist manchmal gut, beider Seiten kennenzulernen, um überhaupt jede Seite richtig wahrnehmen zu können. Wir fühlten und schon wieder fast wie zu Hause…Unsere Unterkunft, die wir übers Internet gebucht haben, war eine kleine Enttäuschung, aber dafür gut gelegen im Stadtteil Sultanahmet und in der Nähe der Sehenswürdigkeiten wie der Blauen Moschee oder Hagia Sofia.

Wir wussten gar nict, ob wir müde sind oder nicht – wahrscheinlich einfach nur aufgedreht und so luden wir unser Gepäck an, zogen nach langer Zeit mal wieder geschlossene Schuhe an und machten uns auf den Weg. Unsere erste Station war die berühmte Blaue Moschee. Unser Weg dorthin führte uns über schöne Obst- und Gemüsemärkte, vorbei an zahlreichen kleinen Läden, die eine bunte Mischung an türkischen Süßigkeiten anbieten oder aber Börek und Kebab. Das wird hier eine „leckere“ Zeit – schon in Flieger bekamen wir Oliven und Käse und Börek serviert, ganz nach unserem Geschmack.. Was kann man zur Blauen Moschee sagen? Erst einmal, dass sie durch ihre Größe beeindruckt – sie ist die größte des Landes und hat 6 Minarette!! Dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass es ein Missverständnis zwischen Sultan Ahmet I und dem Architekten/Baumeister der Moschee gab, der das Wort Gold (altin) mit dem Wort sechs (alti) verwechselte – daraufhin musste natürlich bei der die Heiligen Moschee in Mekka, die damals auch schon 6 Minarette hatte, ein siebtes gebaut werden, da keine Moschee diese übertreffen darf. Vor dem Betreten legten wir unsere Schuhe ab. Kopfbedeckung ist wohl nur während der Gebete notwendig, wir beide hatten lange Hosen an, also war auch das kein Problem… Sie wird übrigens auch “Blaue Moschee” genannt aufgrund des äußeren blauen Erscheinungsbildes durch blau-weiße Fliesen, die die Kuppel und den oberen Teil der Mauern zieren.

Wenn man aus der Moschee hinausgeht sieht man schon die mächtige Hagia Sofia in ganz geringer Entfernung. Die Hagia Sophia wurde im 6. Jahrhundert als das Zentrum der christlichen Religion im byzantinischen Reich in Konstantinopel (heute: Istanbul) erbaut. Als die Osmanen 1453 Konstantinopel eroberten wurde die Hagia Sophia schon sehr bald zu einer Moschee umfunktioniert. Es wurden vier Minarette hinzugebaut, einige christliche Mosaiken ließ man jedoch bestehen. Allein mit diesem groben Wissen im Hintergrund fasziniert dieser Ort mit seiner großen Bedeutung. So etwas gibt es auf der Welt kein zweites Mal. Im Inneren fühlt man sich als Mensch winzig klein, verliert sich in den riesigen Ausmaßen dieses kleinen Wunders. Die Augen wandern von links nach rechts und bleiben immer wieder an schönen Details hängen, die die Augen strahlen lassen. Man kann sich auch im oberen Stockwerk bewegen und hat einen wunderbaren Ausblick auf das gesamt Konstrukt. Hier bleiben wir einige Zeit und staunen immer wieder, am Schluss kaufe ich noch eine kleine Ikone von diesem so besonderen Ort.

Draußen angekommen schlendern wir ein wenig durch die Gassen in der Umgebung – diese sind wirklich sehr auf Touristen abgerichtet, und dennoch schön. Im Gegensatz zu Delhi, wo die Hunde über die Straßen herrschten gibt es hier unzählige Katzen, die uns über den Weg laufen. Wir schauen uns noch spontan eine unter der Erde verlaufende Zisterne an – einem der größten Wasserspeicher aus damaliger Zeit. Es riecht hier ziemlich modrig, kein Wunder. Ob sich der Eintritt hierfür wirklich gelohnt hat – da sind wir uns nicht ganz sicher.. Endlich probieren wir die ein oder andere Köstlichkeit und unsere Müdigkeit scheint wie vergessen, wir schlendern zum Bosporus und machen eine kleine Bootsfahrt. Das ist dermaßen wackelig auf dem Boot, dass man sich gut festhalten muss. Aber seekrank werden wir gott sei dank nicht… Ein toller Gedanke, so zwischen Orient und Okzident zu fahren und auch die Paläste, Moscheen und Villen vom Wasser aus zu sehen. Wir fahren auch vorbei an tollen Locations, direkt am Wasser gelegen, da wird bestimmt das ein oder andere unvergessliche Fest gefeiert…Eine Stunde, die es zwar in sich hat, aber in jedem Fall lohnt. Nach der Bootsfahrt schlendern wir über die Brücke rüber in den Stadtteil Beyoğlu. Ein sehr schöner Stadtteil, mit einer riesigen Fußgängerzone, links und rechts vielen Geschäften und Menschen, die traditionelle Musik machen. Eisverkäufer, die Späße mit „ihrem Publikum“ machen, kleine Wägelchen, von denen man gebrannte Kastanien oder Maiskolben kaufen kann. Überall. Die Atmosphäre ist so friedlich. Ja, wir sind dabei, völlig zu entspannen.

Wir merken die Müdigkeit doch aufsteigen, immerhin haben wir mittlerweile fast 24 Stunden nicht geschlafen. Wir haben einen langen Fußweg vor uns, machen doch noch kurz Halt um etwas zu trinken und dann geht’s zurück. Immer wieder über den Tag verteilt folgen die Gläubigen dem Ruf des Muezzin vom Minarett, der zum Gebet auffordert. Eine ergreifende Stimmung, wenn man die Gebetsgesänge aus allen möglichen Moscheen gleichzeitig über Lautsprecher ertönen hört – aber das kann auch ganz schön anstrengend sein, insbesondere, wenn man müde ist und einen Overload an Eindrücken hat. Nix wie schlafen, wir hoffen, dass wir am nächsten Tag mehr Glück haben werden, eine Unterkunft für den letzten Tag zu finden, da bisher wirklich alles ausgebucht ist…

Wir schliefen erstmal ausnahmsweise aus – was auch wirklich gut tat…Als wir los gingen, um von Hotel zu Hotel zu tingeln, hatten wir recht schnell Erfolg und waren froh, dass wir für diesen Tag „unsere Aufgabe“ erledigt hatten. Wir frühstückten sehr sehr lecker (das türkische Essen ist einfach nur hervorragend mit Oliven, Käse, Joghurt usw…) und tranken türkischen Mocca in einem kleinen Café und wir unterhielten uns super mit dem lieben Kellner. Es war lustig, denn als wir das Café betraten, lief sehr angenehmen türkische Musik, dann plötzlich änderte er das zu den amerikanischen Charts – wahrscheinlich wollte er uns damit einen Gefallen tun…Wir baten ihn, das wieder zu ändern und dann war er noch glücklicher… :-) . Als wir gehen wollten, bat er uns, noch zu bleiben…Die Gastfreundschaft hier ist einfach sehr bemerkenswert. Man fühlt sich sehr schnell als wirklicher Gast und nicht als Tourist…

Gut gestärkt schauten wir und den Topkapi Palace an, ein jahrhundertelanger Wohn- und Regierungssitz der Sultane sowie das Verwaltungszentrum des Osmanischen Reiches. Alles war zwar riesig uns auch sehr schön anzusehen, mit vielen kleinen interessanten Details, aber wir haben in den letzten Monaten so viele unheimlich faszinierende Bauten gesehen, dass wir wahrscheinlich die wahre Schönheit hier gar nicht richtig zu schätzen wussten…Ganz schön verwöhnt… :-)

Nach einem weiteren Kaffeestop (es ist ja überall so gemütlich), landeten wir im Grand Bazaar, einem der größten und ältesten überdachten Bazaare der Welt. Und hier erwartet uns wieder ein Augenschmaus, die angebotenen Dinge sind nicht ramschig, sondern einfach schön. Porzellan, Geschirr, farbenprächtige Lampen, natürlich Teppiche, verschiedenste Behälter, Textilien, Mosaiken und, und, und…teilweise 1001 Nacht pur!! Insgesamt fällt uns sowohl hier als auch im restlichen Istanbul auf, dass die Menschen wirklich nicht aufdringlich sind. Man muss nur 3 – 5 mal nein sagen und schon wird man in Ruhe gelassen – nicht zu vergleichen mit Indien…

Damian erfüllte sich einen Wunsch und ging in ein türkisches Hamam, einem traditionellen Dampfbad inklusive Waschung und Massage. Er war völlig begeistert hiervon, sein nun wieder völlig eingerenkt und rundum zufrieden. Nächstes Ziel für Düsseldorf: ein schönes Hama finden!!

Ein weiteres Paradies für Fotomotive fanden wir im riesigen Spice Market (einem Bazaar spezialisiert auf Tees und Gewürze und Süßigkeiten. Die Gerüche waren intensiv, aber wunderbar, die Farben, in denen sich die Gewürze präsentierten, leuchtend. Es machte riesigen Spass durch die Stände zu schlendern, um bekanntes wie auch sonderbares anzuschauen oder sich erklären zu lassen. Die Müdigkeit steckte uns weiterhin in den Knochen, so dass wir beschlossen, zur Feier des Tages schön essen zu gehen und dann zu schlafen. Wir fanden ein fantastische Rooftop-Restaurant mit Blick auf den Bosporus, die Blaue Moschee und Hagia Sofia..Was will man da mehr? Es wurde Fisch serviert und gegen die allmähliche abendliche Kälte bekamen wir Decken. Was für ein schöner Abend. Für einen kleinen Absacker machten wir noch Halt in unserer Frühstücks-Location und „unser“ Kellner freute sich unheimlich uns zu sehen. Als wir ihn fragten, welche Musik gerade läuft, meinte er, dass er die Musik für uns auf einen USB-Stick speichern kann. Hatten wir natürlich dabei und so können wir morgen eine tolle Mischung an türkischen Klängen abholen. Ist das nicht lieb??? Als wir gehen wollten, war er wieder etwas traurig, so brachte er uns erst einen Apfeltee aufs Haus. Ein halbe Stunde später dann noch Obst – und so wurde aus einem kurzen Absacker doch wieder ein längerer Abend – aber wir fühlten uns pudelwohl und bereuten es nicht. Mal schauen wie es morgen wird :-) .Wir nahmen unterwegs zum Hotel noch ein wenig Baklava mit (soooo lecker) und fielen todmüde ins Bett.

Und so kam er..unser letzter ganzer Tag unserer Weltreise..wie war das bloss möglich, dass knapp 5 Monate schon vorbei waren? Wo ist die Zeit geblieben??? Wir packten unsere Sachen und wechselten die Unterkunft. Gut, dass dies so reibungslos geklappt hat. Auch bei unserem neuen Freund schauten wir vorbei und er übergab uns unseren USB-Stick voll mit guter türkischer Musik. Da sind wir ganz schön gespannt…Wir zelebrierten diesen Tag mit einem ausgiebigen türkischen Frühstück und ließen es uns gutgehen. Wir probierten Künefe, eine Art Baklava mit Käsen innen und Honig, was warm serviert wird. Dies wurde uns von einem wahren Kenner (danke Cüneyt!!), empfohlen – und das war so unglaublich lecker..dafür waren wir auch so voll, dass wir kaum gehen konnten..Wir machten einen ausgiebigen Spaziergang durch die Straßen und sahen uns so auch das armenisch/griechische Viertel an, wo rund 60.000 Armenier und 2.500 Griechen leben. Hier zeigt sich ein anderes Bild als im touristischen Zentrum der Altstadt. Es ist nicht so „aufgeräumt“, wie in den anderen Vierteln, es gibt viele verfallenen Häuser. Und kaum geht man ein paar Minuten weiter, ist man wieder umgeben von renovierten Fassaden und prunkvollen Gebäuden. Verrückt…Als wir in einer der Fußgängerzonen draußen Kaffee tranken, schlich sich ein komisches Gefühl ein. Niemand, der uns etwas verkaufen wollte, niemand der uns ansprach, niemand, der um Geld fragte…wir konnten einfach so dasitzen und die vorbeilaufenden Menschen anschauen. Dieses Gefühl hatten wir schon lange nicht mehr…Übrigens haben wir bisher in keinem der türkischen Restaurants und Lokale jemals eine weibliche Bedienung gesehen. Wie in Indien. Eine ganz klare Männerdomäne.

Es ist interessant, wie sehr die Gedanken schon wieder in Deutschland sind, wir fragen uns, wie es zu Hause werden wird, freuen uns riesig auf ein Wiedersehen mit Familie und Freunden. Und können es doch nicht glauben, dass wir am nächsten Abend schon im Kreise einiger Freunde verbringen werden. Unglaublich.

Wir machten uns auf den Weg in ein weltbekanntes Hamam, nämlich dem Cagaloglu Hamami. Da Damian sooooo begeistert war von seinem gestrigen Hama-Besuch, wollte ich es dieses Mal auch probieren. Dieses Hamam ist angeblich das schönste der Welt und viele bekannte Persönlichkeiten wie Omar Sharif, Kate Moss und andere Celebrities oder Politiker waren schon hier. Und tatsächlich, schon die „Empfangshalle“ sah wirklich toll aus – ganz im Gegensatz zu der Preisliste. Die Preise waren mindestes doppelt so hoch wie gewöhnlich und natürlich ein reines Touristen-Hamam. Dieser Dekadenz wollten wir uns nicht hingeben und gingen wieder. Wir fanden ein anderes und so hatten wir eine entspannte Stunde vor uns. Ein wirklich herrliches Gefühl, dass man im Nachhinein hat. Ein tolles Programm für den letzten Tag einer Weltreise. Bei einem schönen Abendessen ließen wir unsere Gedanken in die ganz Welt schweifen. Waren das wirklich wir, die das alles erlebt haben? Wie wird unser Leben zu Hause sein? Ja, wir freuen uns…

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